Zur Zukunft der Museen in Nordhausen

Mittwoch, 04. Dezember 2019, 05:08 Uhr
Nordhausen ist reich an Geschichte und Tradition. Das spiegelt sich in einer vielfältigen Museumslandschaft wider.
Der Gedenkort Mittelbau-Dora ist eines der meistbesuchten Museen der Stadt, es befindet sich in Trägerschaft der Thüringer Gedenkstättenstiftung. Die Traditionsbrennerei, die mehr als 500 Jahre Kornbrennerei präsentiert, wird von der Fa. Nordbrand getragen.
Seit mehr als 10 Jahren betreibt und finanziert ein Verein das IFA-Museum Nordhausen ehrenamtlich.
Des Weiteren gibt es drei Museen –die Flohburg/Das Nordhausen Museum, den Tabakspeicher und
das Kunsthaus Meyenburg- die von der Stadtverwaltung betrieben werden.
Welchen Stellenwert nehmen die Museen in der Stadt ein und wie präsentieren sie sich den Besucherinnen und Besuchern?
Im Folgenden soll besonders auf das IFA-Museum und die drei städtischen Museen eingegangen werden.
Das IFA-Museum hat bezüglich der Historie der Traktoren- und Motorenentwicklung und seiner
Produktion eine große, über die die Region hinausgehende Bedeutung. Das spiegeln die
Besucherzahlen, die verschiedenen Heimatorte der Museumsgäste, die große überregionale Resonanz auf Messen und anderen Präsentationen bzw. die bundesweiten Nachfragen wider. Die Mehrzahl der Besucher kommt aus ganz Deutschland deswegen nach Nordhausen, Tendenz steigend! Welch ein touristischer Magnet! Im Museum wird auch auf traurige Zeiten der
Weiterentwicklung/ Herstellung von Antriebsaggregaten für die V2 und V4-Raketen in 1946/47 verwiesen. Aber besonders wirkt die Präsentation der Traktorenproduktpalette von 1948 - 64 und die anschließende Dieselmotorenproduktion bis 1992 mit Originalen, Modellen und Graphiken. Fast alle Traktoren auf den Straßen und Feldern der DDR in dieser Zeit kamen aus NDH. Die Dieselmotorenproduktion bildete die Antriebsbasis für LKW und landwirtschaftliche Großmaschinen in der DDR. Die technische und wirtschaftliche herausragende Bedeutung der Produkte hat auch noch heute Strahlkraft weit über die Stadt NDH hinaus. Erst kürzlich wurde darüber im ZDF sehr
ausführlich mit einer Dokumentation über die Leistungen im IFA Werk durch einem Besuch im Museum informiert. Die Leitung dieses Museums durch die Ehrenamtlichen im Verein ist altersbedingt endlich. Leider wurde bis jetzt jede Unterstützung durch die Stadtverwaltung verweigert. Doch darf dieses bedeutende und größte Denkmal Nordhäuser Industriegeschichte verloren gehen? Es wäre nicht zu verantworten Deshalb dieser Appell an die Stadtoberen, anerkennen sie praktikabel die Erhaltung dieses Museums.
Der Tabakspeicher bleibt neben den Dauerausstellungen zu Gewerbe, Handwerk, Industrie und Archäologie konstant in der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit durch die vielfältigen Vorträge. Mit einem breiten Spektrum an Veranstaltungen zieht er förmlich viele Interessierte mit seinen Angeboten ins Haus. Hier ist sich m.E. die Leitung mit Förderverein der Verantwortung des Hauses für die Bürger bewusst. Jedes Museum steht und fällt mit der Aktivität seiner Führung.
Die über tausendjährige Geschichte der Stadt wird erstmals wieder seit mehr als 50 Jahren ab dem
30.Juni 2012 in der FLOHBURG/Das Nordhausen Museum präsentiert. Mit Fördermitteln des
Freistaates Thüringen ihn Höhe von ca.4 Mio. € konnte in der Altstadt ein historisches Fachwerkgebäude zu einem modernen Museum mit verschiedenen, den heutigen Anforderungen entsprechenden Ausstellungselementen umgestaltet und erweitert werden.
Unter dem Motto –aus der Geschichte lernen um die Zukunft zu gestalten- wurde durch eine
Arbeitsgruppe bzw. engagierter Mitwirkung vieler Bürgerrinnen und Bürger das neue Museum inhaltlich gestaltet. Dass ein stadthistorisches Museum nicht von einer Dauerausstellung lebt, wurde schnell erkannt. Mit vielen Ehrenamtlichen und dem Förderverein gelang in kurzer Zeit, das neue Haus mit Leben zu erfüllen. Bereits im Jahre 2015 hatte das Museum über 10 000 Besucher. Das änderte sich abrupt mit der ungerechtfertigten Kündigung der Leiterin, ein Willkürakt des ehemaligen Oberbürgermeisters. Der Förderverein löste sich mangels Unterstützung infolge auf. Die Besucherzahlen reduzierten sich sofort um über die Hälfte. So dümpelt dieses moderne Informations-und Begegnungshaus nach einem tollen Start schon Jahre ohne Strahlkraft vor sich hin. Darf das so weiter gehen? Stadtrat und die Stadtoberen müssen das Problem erkennen und grundlegend etwas ändern. Das ist man der Erinnerungskultur in der Stadt, seinen Bürgern und auch den Steuerzahlern im wahrsten Sinne des Wortes schuldig.

Das Museum, Meyenburg -Kunsthaus, hat mit seinen wechselnden Gemälde-und Graphikausstellungen wohl auch eine gewisse überregionale Bedeutung und zieht damit spezielle Kunstliebhaber an. Musikalische Aktivitäten, unterstützt durch das Theater, bringen einen guten Zulauf. Leider ist seit dem sehr zu bedauernden Rücktritt des Fördervereinsvorsitzenden im August 2018 keine Veranstaltung mehr durch den Förderverein organisiert worden. Das ist ein Defizit und es darf sich nicht zu einer Tendenz entwickeln? Auch dies sollte aufmerksam verfolgt werden.

Doch insgesamt muss auch die Frage gestellt werden:
Was ist aus der Umsetzung des Kulturkonzeptes für die beiden Landkreise Nordhausen und Kyffhäuser von 2014/2015 geworden? Wo bleibt die gemeinsame Marketingstrategie für die Museen der Region (Schloss Heringen/ Dichterstätte Sarah Kirsch/ Alte Kanzlei Bleicherode)? Es gibt z.B. noch nicht einmal ein Hinweisschild für das IFA-Museum auf den Straßen von Nordhausen.
Auf jeden Fall ist die Aktivität der Stadtverwaltung und des Stadtrates zur Neujustierung der Museen erforderlich. Es wäre schön, wenn sich Leser der TA mit Leserbriefen an einer Diskussion beteiligen würden.

Rainer Holdefleiß, Joachim Heise, Hans-Georg Müller