Vorankündigung - zweiter Wintervortrag 2017 im IFA-Museum

Donnerstag, 16. März 2017, 08:56 Uhr
Was in den Nachkriegsjahren 1945 bis 1947 in Bleicherode im Gebäude der Berginspektion und in Nordhausen im Montaniawerk (späteres IFA-Werk) existierte, war zu DDR-Zeiten strenges Tabu. Inzwischen ist durch die Veröffentlichungen von Boris Tschertok, Matthias Uhl und Gunther Hebestreit diese unbekannte Historie ein Stück weit erforscht worden.

Am 14. Juli 1945, also unmittelbar nach Abzug der Amerikaner aus Thüringen, kamen die sowjetischen Raketeningenieure Boris Tschertok und Alexej Isajew nach Nordhausen. Ihr erster Weg führte sie ins Lager Dora und ins Mittelwerk, die unterirdische Raketenfabrik. Tschertoks Bericht über diesen "Besuch" ist überschrieben "Nordhausen - Stadt der Raketen und des Todes".
Für Major Tschertok und Oberstleutnant Isajew ist klar, die Amerikaner haben vor ihnen bereits ganze Arbeit geleistet: Sie haben 110 A4-Raketen und die Konstruktionszeichnungen abtransportiert und die Mehrheit der Raketentechniker übernommen. Tschertok und Isajew müssen sofort aktiv werden. Am 18. Juli fahren sie nach Bleicherode. In der Lindenstraße befindet sich die Villa Frank. Mit den ersten angeworbenen 12 deutschen Raketen-spezialisten gründen sie dort das "Institut Rabe" (Raketenbau und Entwicklung), die Keimzelle des sowjetischen Geheimprojektes A4. Anfang 1946 wird aus dem Institut Rabe das "Institut Nordhausen", ein quasi Raketenkonzern mit 7000 deutschen und sowjetischen Mitarbeitern (Quelle Tschertok). Das Institut Nordhausen besteht aus 4 Werken, eins davon Montania Werk 2 Triebwerksbau (später IFA-Werk). Leiter sind General Gajdukow und Oberst Koroljow. Der prominenteste deutsche Ingenieur ist Helmut Gröttrup.

Ende 1946 hatten die Konstrukteure die A4-Dokumentation weitestgehend rekonstruiert. Ende 1947 waren im Werk 3 in Kleinbodungen 11 A4-Raketen montiert und in Leheste über den Prüfstand gegangen. Im Oktober 1946 wurden die 150 wichtigsten deutschen Raketenspezialisten mit ihren Familien, insgesamt etwa 500 Personen, nach Rußland auf die kleine Insel Gorodomlja im Seligersee verschleppt. Am 18.10.1947 wurden die 11 A4-Raketen aus Thüringer Produktion in Kapustin Jar, südlich von Stalingrad verschossen. Bis 1953 währte die deutsch-sowjetische Raketengeschichte. Hellmut Gröttrup kehrte als letzter deutscher Ingenieur von Gorodomlja nach Deutschland zurück.

Noch gibt es weiße Flecken in der deutsch-russischen A4-Geschichte. Der Historiker Dr. Uhl fordert in seiner Dissertation "eine weitere Aufarbeitung...Zugang zu den (russischen) Unterlagen...eine enge Kooperation zwischen deutschen und russischen Historikern sowie Raketenexperten".

Mit dem Vortrag von Dr. Przybilski dürfen wir gespannt sein auf weitere Fakten zum Thema A4. Dr. Olaf Przybilski gehört in Deutschland zu den prominentesten Kennern der gesamten Raketengeschichte. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Institutes für Luft- und Raumfahrt an der TU Dresden war er bis 2016 mit einer Professur für Raumfahrtsysteme beauftragt. Schon 1986 war er Gründungsmitglied des Arbeitskreises Raumfahrt beim Kulturbund der DDR. Über 100 Veröffentlichungen sind von 1987 bis 1990 von ihm erschienen. Ab 1993 waren es erneut rund 100 Veröffentlichungen über russische Raumfahrtmissionen und deutsche Raketentechnik. Dr. Przybilski ist Mitglied in verschiedenen Raketenvereinen. Seit 2015 ist er einer der Geschäftsführer der UG "Sächsische Raketen Technik". Zielstellung dieses Unternehmens ist die Entwicklung, der Bau und Start von Flüssigkeitsraketen.

Werner Steinmetz

Die Veranstaltung findet am Freitag den 24. März 2017 ab 18:00 Uhr im IFA–Museum in der Montaniastr. 13 statt.
Der Eintritt kostet 5,00 € (ermäßigt 3,00 €) Für einen kleinen Imbiss ist gesorgt.
Das Buchhaus Rose bietet Bücher zum Thema Technik und Geschichte an.
In Auswertung der letzten Veranstaltungen hat der Verein für mehr Plätze und bessere Tontechnik gesorgt.

Soyuz TMA  (Foto: IFA-Museum)
Soyuz (Foto: IFA Museum)