Der Motorenbauer aus Eisenach bei den Motorenbauern in Nordhausen

Montag, 08. April 2019, 17:56 Uhr
Es war Prof. Peter Kirchberg, der bei seinem Besuch im April 2018 den Vorschlag machte: „Holt Euch doch mal den Konrad von Freyberg aus Eisenach, der kann Interessantes zum Eisenacher Motorenbau berichten“. Also haben wir uns in Eisenach gemeldet mit der Bitte, einen Vortrag zum Motorenbau in Eisenach in Nordhausen zu halten. Als wir uns per Mail zum Termin geeinigt hatten, bin ich selbst nach Eisenach gefahren, um Konrad von Freyberg kennen zu lernen. Nachdem der erste Versuch schief gelaufen war, traf ich ihn im Automobilmuseum Eisenach. Dort ist er heute aktiv im Förderverein tätig. Seine Bedenken, ob sich genügend Interessierte finden würden, waren schnell zu zerstreuen. Unser Wunsch zu erfüllen, ein besonders Exponat und Präsentationsmaterial zu erhalten, war schon komplizierter. Dem wurde aber dank seiner Führsprache durch die Stiftung - Automobile Welt Eisenach - statt gegeben und wir konnten am 15.03.19 einen der wenigen Dreizylinder 4-Takter nach Nordhausen holen.

Konrad von Freyberg kam am 23.03.19 in Begleitung seiner Frau nach Nordhausen. Es ist nun schon Tradition, dass wir unseren Referenten zunächst das Museum zeigen, eine Aufgabe die Vereinsfreunde wie immer mit Sachkenntnis und Herz durchführten. Schon dabei zeigte sich, dass unsere beiden Geschichten mehr verbindet als uns bewusst war.

Da hatten wir nun endlich einen dieser heimlichen Stars des DDR Fahrzeugbaus auf der Bühne, den nur die Insider und Freunde der Autos aus Eisenach kennen. Die ca. 100 Besucher warteten gespannt auf das, was er zu berichten hatte. Konrad von Freyberg, ein Kind aus dem Harz und dann im Thüringer Wald aufgewachsen, lernte bei „L. Greifzu“ in Suhl und studierte in Dresden bei „Jante“. 1962 geht er nach Eisenach und bleibt der Motorenentwicklung bis zum Ende 1992 treu.
Unter seiner Leitung erfolgt nicht nur die Weiterentwicklung der Zweitakter, sondern auch die Forschung und Entwicklung neuer Motorenkonzepte für die Eisenacher Fahrzeuge. Seine Präsentation führte die Anwesenden von den 6 Zylinder BMW Motoren 1945 zum Einsatz der VW Motoren 1988 bis zum Niedergang des Eisenacher Werkes 1992. Wer selbst in dieser Zeit im Fahrzeugbau der DDR tätig war, und vieler der Zuhörer waren es, der konnte sich der Emotion nicht erwehren. Da waren die vielen Kompromisse, die angesichts fehlender Investitionen eingegangen werden mussten, die fertig entwickelten Motoren oder Einbauversuche, die am Ende nicht von Erfolg gekrönt waren und die Prestigeobjekte, die Millionen von Devisen und Forschungskapazitäten verschlungen haben, um sich am Ende als Sackgasse herausstellten. Von Freybergs fast zu sachlicher Bericht lässt nur erahnen, was in den Herzen von Vollblutingenieuren vorgehen muss, die am Ziel angekommen, einen veralteten in die Jahre gekommen Motor in ihr Auto einpflanzen müssen, obwohl ihre eigene Entwicklung besser in den technischen Parametern und billiger in der Herstellung war.

Hochinteressant, am Ende des Vortrags sein Bericht zum Rennsport des AWE und zur eigenen sportlichen Kariere. Er erinnert an seinen Sportfreund Helmut Weise aus Ilfeld, der wie er selbst Weltmeister im Motorbootrennsport war.
Viele der Besucher nutzten am Ende die Gelegenheit zum Gespräch und tauschen Erinnerungen zu ihren Erlebnissen mit den Wartburgs aus Eisenach aus.

Die Eisenacher Eigenentwiklung im Eingangsbereich wurde ebenso bestaunt wie die drei Oldtimer, die die Sportfreunde vom MC Roland vor die Tür gestellt hatten. Ihnen und allen, die mitgeholfen haben, den zweiten Wintervortrag 2019 zum Erfolg zu führen, gebührt der Dank des Vorstandes.

Hans-Georg Franke